Grüngleis nach Vellmar

Vellmar

Umsteigefrei ins Oberzentrum Kassel

Die Tram kommt nach Vellmar

Die 4,4 km lange, nahezu vollständig zweigleisige Strecke erschließt Vellmar seit dem 22.10.2011 mit acht Stationen und verbindet sie umsteigefrei mit dem Oberzentrum Kassel. 3,4 km und 7 Haltestellen liegen auf Vellmarer Stadtgebiet. In der Hauptverkehrszeit fährt die Straßenbahn im 7,5-Minutentakt, im Schwachverkehr jede halbe Stunde.

Rasengleis mit Blumenwiese entlang B7/83
Rasengleis mit Blumenwiese entlang B7/83

Trassenführung entlang der B7/83

Ausgangspunkt der Streckenverlängerung aus dem Kasseler Norden ist die bisherige Endstelle Holländische Straße (BA1). Die Schienentrasse begleitet die vierspurige Bundesstraße 7/83 etwa 1,5 km, zunächst auf eigenem Bahnkörper in Seitenlage als Rasengleis. Kurz vor der Haltestelle Berliner Straße (Stadt Kassel) schwenkt die Trasse in Mittellage mit offenem Bahnkörper. Wegen beengter Verhältnisse bei der Straßenraumaufteilung entlang der B 7/83 und für das angenehmere Warten der Fahrgäste war die Anlage von Mittelbahnsteigen nötig.

Gleiswechsel zum Rechtsverkehr auf der B7/83
Gleiswechsel zum Rechtsverkehr auf der B7/83

Als Besonderheit verschwenken die Bahnen kurz vor der Wendeschleife Holländische Straße auf einen Linksverkehr, damit die Haltestellen auf der Bundesstraße auch von Einrichterbahnen bedient werden können. Etwa 300 m bevor die Trasse die B7/83 wieder signalisiert verlässt, befindet sich der auf einen herkömmlichen Rechtsverkehr umstellende Gleiswechsel.

Um den alten Fahrbahnbelag nicht ausbauen zu müssen, ist im ersten Abschnitt der Bundesstraße das flache Reinfedersystem verbaut. Viele nur 1,5 cm hohe Flachstahlschwellen wurden auf die bisherige Straße gedübelt, einbetoniert und mit SubstratErde für das Rasengleis verfüllt. Die restliche Trasse hat einen Querschwellenoberbau auf Schotterbett mit Vignolschiene.

Im Bereich der Bundesstraße wurden die Kreuzungsbereiche der einmündenden Straßen zugunsten von wesentlich mehr Wegebeziehungen umgebaut. Besonders das abseits liegende Vellmarer Wohngebiet West profitiert von dem Schließen des unattraktiven Fußgängertunnels und der neuen oberirdischen Fußgängerquerung an der Haltestelle Triftstraße. Die Barrierewirkung der B7/83 hat sich durch die Anlage signalisierter Furten verringert.

7,5% Steigung zum P&R-Platz Dörnbergstraße
7,5% Steigung zum P&R-Platz Dörnbergstraße

P&R-Platz Dörnbergstraße

Mit dem Halt Dörnbergstraße erreicht die Trasse, nach einer der höchsten Steigungen im gesamten Netz von 7%-7,5% auf 80 m eine in den 70er Jahren entstandene Neubausiedlung. Hier erfolgt der Busumstieg in weitere Stadtteile am selben Bahnsteig (Cross Platform). Der dort konzipierte Park & Ride-Platz richtet sich insbesondere an Pendler von der nahen Bundesstraße.

Für die ÖPNV-Anlage wurden die autobahnähnlichen Auf- und Abfahrten der Bundesstraße zurückgebaut. Über einen auf der Kuppe gelegenen Kreisverkehr wurden vier kommunale Erschließungsstraßen, die P&R-Anlage, die Buswendeschleife sowie die querende Tramtrasse neu organisiert. Dies war eine höhentechnische Herausforderung, zumal mit einem Brückenbauwerk über die B7/83 ein fester Zwangspunkt existierte.

Visualisierung Haltestelle Festplatz

Strecke bis Stadtzentrum

Über eine schmale Passage entlang rückwärtiger Gärten fädelt sich die Trasse in den innerörtlichen Straßenraum ein. Ein Teilstück des Einfädelungsbereiches ist gleichzeitig Parkplatzzufahrt zu einem mittelständischen Betrieb. Diese musste signalisiert werden.

Wegen des kompakten Straßenraumes und dem erklärten Willen, den parallelen Grüngürtel uneingeschränkt zu erhalten, wird die Trasse bis kurz hinter die Haltestelle Festplatz straßenbündig geführt. Die Tram fährt hier bevorrechtigt als Pulkführer. Dann erhält die Trasse in westlicher Seitenlage wieder einen eigenen Bahnkörper, überwiegend mit Raseneindeckung.

Gleisverschlingung am Stadtzentrum
Gleisverschlingung am Stadtzentrum

Stadtmitte Vellmar

An der Haltestelle Stadtmitte, mit Gesamtschule, Geschäftszentrum und Rathaus, bestehen entsprechend der zentralen Lage auch Anschlussmöglichkeiten an den Bus. Im Sinne kurzer Umstiegswege werden sie am selben Bahnsteig hintereinander abgewickelt.

Da die Bebauung in der Stadtmitte nah an die Straße heranreicht, wird ein 150 m langer Abschnitt per Gleisverschlingung eingleisig geführt. Die stadträumliche Enge erforderte einen umfangreicheren Grunderwerb.

Haltestelle Musikerviertel
Haltestelle Musikerviertel

Landesstraße bis Wendeschleife

Nach dem Queren einer Landesstraße geht es in westlicher Straßenseitenlage mit den Haltestellen Nordstraße und Musikerviertel zur Wendeschleife am Ortsende. Die Trasse ist auch hier als Rasengleis ausgeführt. Parallel zur Landesstraße hatten viele Menschen in den 70er Jahren gebaut. Entsprechend groß war die Anzahl der Einsprüche beim Planfeststellungsverfahren. Hier musste die Planung mehrfach überarbeitet werden.

Wendeschleife Vellmar Nord

Die Endstelle Vellmar Nord wurde auf einer ehemaligen Ackerfläche errichtet. Dem Rund der Wendeschleife folgt die Gestaltung des Park & Ride-Platzes mit einer Kapazität von 100 Stellplätzen. Ergänzt wird die Anlage mit inzwischen 10 abschließbaren Fahrradboxen und einer Bushaltestelle als Verknüpfungspunkt in die weitere Region.

Übersicht der Strecke nach Vellmar
Streckenübersicht

Elektrische Anlagen, Barrierefreiheit, Grünausstattung

Der Betrieb erfolgt auf Grundlage der BOStrab; die Strecke ist mit 600 V Gleichstrom elektrifiziert. Für eine gleichmäßige Energieversorgung sorgen drei Gleichrichterunterwerke.

An allen Lichtsignal gesteuerten Kreuzungen erhält die Straßenbahn eine Bevorrechtigung mit Ansteuerung im Bake-Funk-System.

Sämtliche Tramhaltestellen weisen eine Einstiegshöhe von 20 cm auf. An der kombinierten Tram-/Bushaltestelle wird, wegen des Buseinstiegs mit einer vorgegebenen Höhe von 18 cm, das Pflaster von der Außenschiene zum Bord schräg eingebaut. So werden mit einem Bahnsteig und einer gleichmäßigen Ansichtshöhe unterschiedliche Einstiegshöhen angeboten.
Alle Haltestellen sind barrierefrei ausgeführt und taktil erfassbar, mit einem dynamischen Fahrgastinformationssystem ausgestattet und bieten einen modernen Fahrgastkomfort.

Soweit möglich wurden die Gleise mit Rollrasen eingedeckt. Stützmauern sind mit Basalt gefüllten Gabionen gestaltet. Entlang des Rasengleises der Bundesstraße wurde eine Sommerblumenwiese mit der Samenmischung "Mössinger Sommer" angelegt, die eine große positive Resonanz bei der Bevölkerung hervorrief. 

Zahlen, Daten, Ansprechpartner

Auftraggeber Kasseler Verkehrs-Gesellschaft AG
Baukosten 40,1 Mio. €
Planungsvolumen 2,6 Mio. €
Leistungsphasen 1 – 5
Planung 2006 – 2011
Fertigstellung Eröffnung war am 22.10.2011

Ansprechpartner der Auftraggeber

Reiner Blobel
Fon: +49 (0)561 3089-301
Mail: reiner.blobel@kvg.de


Hier können Sie sich eine 3-seitige Beschreibung Die Tram kommt nach Vellmar im PDF-Format herunterladen. 

Thomas Naumann aus Würzburg hat in der Fachzeitschrift Stadtverkehr, Ausgabe 12/2011, einen ausführlichen Artikel Straßenbahn Kassel fährt bis Vellmar veröffentlicht, den Sie hier im PDF-Format erhalten können. 


Im Straßenbahnmagazin 3/2012 hat sich Dr. Heribert Menzel aus Kassel, er hat den Bau fotografisch begleitet, umfassend zur Straßenbahn nach Vellmar geäußert. Auch diesen Artikel Auf dem linken Gleis nach Norden können Sie sich hier im PDF-Format herunterladen. 


Herr Brandau und Herr Lenz haben einen ausführlichen Artikel in der Fachzeitschrift Der Nahverkehr, Ausgabe 5/2013 namens Die neue Tram Kassel-Vellmar mit dem Schwerpunkt Immissionsschutz veröffentlicht, den Sie hier im PDF-Format erhalten können. 

KVG